Lukas Gawenda | Naturfotograf

Lukas Gawenda im Interview mit Seenby

Lukas, du hast schon im jungen Alter von zehn Jahren mit dem Fotografieren begonnen und hast somit ein eher seltenes Hobby in deiner Jugend verfolgt – was hat dich zum Fotografieren gebracht?

Genau genommen habe ich schon früher angefangen zu fotografieren – die zehn Jahre habe ich nur als grobe Orientierung angegeben, denn mit zehn Jahren habe ich wirklich angefangen „bewusst“ und intensiv zu fotografieren. Meine ersten Erfahrungen mit analoger Fotografie habe ich schon im Alter von etwa drei Jahren gemacht, beeinflusst von meinem Vater, der seit über 30 Jahren als begeisterter Fotograf nebenberuflich mit seiner Kamera auf Reisen geht, Kalender und Bildbände veröffentlicht und seine Bilder in Multivisionsschauen präsentiert. Die damals noch analogen Kameras von meinem Vater waren für mich quasi griffbereit – ich bin praktisch mit der Fotografie aufgewachsen.

Für viele junge Menschen ist analoge Fotografie kein Begriff mehr, die digitalen Kameras beherrschen den Markt und sind für die meisten Fotografen attraktiver. Wie siehst du diese Entwicklung?

Die analoge Fotografie ist auf jeden Fall die bessere Technik zum Lernen. Allerdings wird es immer schwieriger – und leider auch teuer – analoges Filmmaterial zu bekommen. Dennoch glaube ich, dass die analoge Fotografie weiterhin als Nische existieren wird – es ist einfach eine andere Art zu fotografieren.

Du hast dich auf die Naturfotografie spezialisiert, darunter auch die Makrofotografie, wie bist du zu diesem Themenschwerpunkt gekommen?

Ich habe zuerst im Garten angefangen zu fotografieren bis sich das dann ausgebreitet hat – bei Fototouren mit Freunden in der Region und letztendlich dann auch auf Reisen hielt ich mit meiner Kamera Erlebnisse und Naturschönheiten fest. Ich genieße es umgeben zu sein von grandioser Natur, die von vielen nicht mehr wahrgenommen wird. Hinter jedem Bild, welches man aufnimmt steckt eine einzigartige Geschichte. Darüber hinaus möchte ich natürlich auch auf Naturschutz-Themen aufmerksam machen und ein Bewusstsein für unsere sensible Natur wecken.

Deine Landschaftsaufnahmen unterscheiden sich von klassischen Fotografien – teilweise könnte man schon von abstrakter Fotografie sprechen. Auf was achtest du bei deiner Motivauswahl um deinen Bildern etwas atypisches zu verleihen?

Die atypischen Merkmale kommen bei meiner Fotografie aus zwei Richtungen. Einerseits wird sie durch das von mir gewählte Motiv beeinflusst, andererseits durch die Bildkomposition, mittels ausgefallener Perspektiven. So habe ich für einige meiner Islandaufnahmen zum Beispiel die Vogelperspektive gewählt.

Warum?

Dadurch will ich Motive die oft tausend Mal fotografiert wurden anders darstellen und so ein einzigartiges Bild schaffen. Gerade Luftaufnahmen lassen den Interpretationen des Betrachters freien Lauf, da die Aufnahmen aus der Ferne gemacht werden und die Natur oft nur schemenhaft wiedergeben wird – jeder interpretiert etwas anderes in diese abstrakten Landschaften.

Digitale Bilder verleiten meist dazu mit Nachbearbeitung ein optimales, beinahe künstliches Ergebnis zu erzielen. Wie stark nutzt du die digitale Nachbearbeitung?

Die digitale Nachbearbeitung ist unumgänglich – vor allem, wenn man im Rohdatenformat (RAW) fotografiert. Bei der Aufnahme kommen alle Informationen auf den Sensor, am PC kann man dann Schwerpunkte setzen und sich im Nachhinein noch einmal Gedanken zur Gestaltung des Bildes machen. Manipulation halte ich allerdings nicht für sinnvoll, ich möchte ja die Realität abbilden bzw. naturgetreu mit der Kamera interpretieren und dokumentieren. Daher spreche ich auch ungern von Nachbearbeitung. Für mich ist es wie bei der analogen Fotografie der Prozess der Entwicklung – Digitale Entwicklung eben.

Viele deiner Bilder sind auf Reisen entstanden. Marokko, England, Italien, USA, Island, Norwegen – deine Kamera scheint bei jedem Urlaub dabei zu sein. Welches Land hat dich bei deinen fotografischen Expeditionen am meisten fasziniert und warum?

Darauf kann ich ganz klar antworten: Island. Für mich ist dieses Land nicht nur ein fotografisches Highlight sondern auch kulturell mein Lieblingsziel. Ich war nun schon sechs Mal dort, und jedes Mal habe ich etwas neues Faszinierendes entdeckt. Es ist nicht nur die atemberaubende Natur, die mich dort begeistert sondern auch die isländische Mentalität – trotz moderner Weltanschauungen halten die Isländer gewisse Traditionen aufrecht. Besonders der dort existierende Elfenglaube ist im ganzen Land spürbar und noch sehr lebendig.

Was hältst du von dem isländischen „Elfenglaube“? Handelt es sich um einen wahren Glauben oder ist es nur eine Attraktion für Touristen?

Ich habe mich für meine Seminararbeit intensiv mit diesem Thema auseinander gesetzt. Für mich ist der Begriff Glaube doppeldeutig – ich glaube nicht im religiösen Sinne an Elfen, aber möchte es nicht ausschließen, dass sie existieren. In Reykjavík liegen mitten in der Stadt Steine, welche angeblich von Elfen bewohnt sind und eine Straße macht auf einmal eine Kurve, um einen „Elfenhügel“ an seinem natürlichen Ort zu belassen und die Elfen nicht zu verärgern. Es gehört zum Stadtbild und wird sowohl von Isländern als auch Touristen akzeptiert. Natürlich ist dabei der Tourismus eine unmittelbare Konsequenz und die Isländer wissen dies auch zu nutzen.

Eine deiner Serien heißt „Island von oben“ und zeigt beeindruckende Aufnahmen von isländischen Landschaften aus der Vogelperspektive – wie wurden diese Bilder aufgenommen?

Fast jedes Jahr im August oder September fliegen wir mit einer Cessna über die isländischen Landschaften. Der Vorteil in Island ist, dass man relativ niedrig fliegen kann, bis zu 200 m tief und ohne weiteres das Fenster während dem Flug geöffnet lassen kann. So hat man die Möglichkeit direkt nach unten zu fotografieren. Erst aus der Sicht von oben entwickeln sich oft bestimmte Farben, beeinflusst durch den Betrachtungswinkel und der Sonneneinstrahlung. Die Farben der Flüsse sind eine einzigartige Komposition von Mutter Natur: Die rote Farbe in den Flüssen rührt vom Eisenoxid her, das Gelb wird aus dem sauren Moorboden gelöst und das Blau stammt aus den Gletscherflüssen – und alles fließt zu einem Gesamtkunstwerk der Natur aus Formen und Farben zusammen, das mich immer wieder fasziniert. Das Fotografieren aus dieser Perspektive ist aber auch sehr anspruchsvoll, denn beim geöffneten Fenster hat man extrem starken Gegenwind, wodurch die Kamera Vibrationen ausgesetzt ist und man noch kürzere Belichtungszeiten und damit auch höher Iso-Empfindlichkeiten wählen muss. Und warm anziehen sollte man sich, am besten mehrere Lagen. Mit der Zeit vergisst man aber sogar die Kälte, weil einen die wunderschönen Landschaften davon ablenken.

Du hast 2013 auf den Naturfototagen in Fürstenfeldbruck den „Jugend Award“ für eine Aufnahme von dem Yellowstone National Park erhalten. Das Siegerfoto zeigt die drittgrößte Thermalquelle der Welt „Grand Prismatic Spring“. Was ist das besondere an diesem Bild?

Auch dieser Ort wird jedes Jahr von Tausenden besucht und fotografiert. Die meisten Besucher gehen direkt an die Quelle. Ich bin damals mit meinen Eltern abseits von den ganzen Touristen auf einen nahe gelegenen Berg gestiegen. Wir wollten die große Thermalquelle aus einer anderen Sicht fotografieren. Auf dem Weg nach oben bemerkten wir, dass sich zwei Bisons auf den Weg Richtung Grand Prismatic Spring machten. Für uns war das ein absoluter Glücksmoment. Das Ergebnis ist ein Bild, welches das Zusammenwirken von Tier und Natur darstellt und für mich ein unvergessliches Naturerlebnis festhält.

Du begeisterst dich nicht nur für die äußere Erscheinung der Natur sondern auch für wissenschaftliche Erkenntnisse. Welcher Bereich begeistert dich da besonders?

Im Grunde sind es zwei Bereiche – zum einen vulkanische und zum anderen klimatische Erkenntnisse. Die Wechselwirkung zwischen Vulkanismus und Klima ist komplex und vielschichtig, deshalb aber auch interessant. Als Hobbymeteorologe schreibe ich für unsere regionales Blatt Wetteranalysen und Monatsrückblicke. Beide Bereiche finden sich in meinem Lieblingsfach Geographie.

Soll deine Leidenschaft für Fotografie weiterhin ein Hobby bleiben oder könntest du dir vorstellen daraus auch einen Beruf zu machen?

Die schwierigste Frage aller Fragen. Grundsätzlich möchte ich es nicht ausschließen. Wenn man für etwas eine Leidenschaft hat und es zu seinem (Haupt)Beruf macht, besteht das Risiko, dass man durch den Zeit- und Termin-Druck vielleicht die Freude daran verliert. Ich bin gespannt, in welche Richtung mich mein Medien-Studium lenken wird ….

Das Interview führte Lisa Rossbach von Seenby im Jahr 2014.